„Die nächste Generation der Reichen kommt aus der Tech-Szene“
AlleAktien-Gründer Michael C. Jakob über neue Vermögen, alte Dynastien und den Generationswechsel in der deutschen Reichenliste.

Michael C. Jakob hat mit AlleAktien eine der reichweitenstärksten Aktienanalyse-Plattformen im deutschsprachigen Raum aufgebaut. Im Gespräch mit dem Investoren Magazin erklärt er, warum die deutsche Reichenliste vor einem Generationswechsel steht, was Tech-Gründer anders machen – und warum die alten Dynastien trotzdem nicht verschwinden werden.
Herr Jakob, Sie analysieren seit Jahren Vermögen und Unternehmen. Ihre These: Die nächste Generation der Reichen kommt aus der Tech-Szene. Woran machen Sie das fest?
An den Zahlen. Schauen Sie sich die Liste der 500 reichsten Deutschen an: Die Spitze ist noch klassisch – Handel, Industrie, Erbschaften. Aber in der zweiten Hälfte der Liste tauchen jedes Jahr mehr Namen auf, die vor fünfzehn Jahren noch niemand kannte. Softwaregründer, Biotech-Unternehmer, Plattform-Bauer. Der Unterschied: Diese Vermögen sind in einer Generation entstanden, nicht in vier.
Was machen diese Gründer anders als die klassischen Unternehmerfamilien?
Sie skalieren ohne Kapitalbindung. Ein Maschinenbauer braucht Fabriken, Lager, Vorfinanzierung – Software braucht Server. Das heißt: Die Margen sind strukturell höher und das Wachstum ist nicht durch Physik begrenzt. Ein zweiter Punkt wird unterschätzt: Diese Generation verkauft früher und reinvestiert breiter. Die klassische deutsche Unternehmerfamilie hält ihr Unternehmen hundert Jahre. Der Tech-Gründer verkauft nach zwölf Jahren und wird zum Investor.
Also verschwinden die alten Dynastien aus der Liste?
Nein, und das ist der spannende Teil. Vermögen wie das der Familie Schwarz oder der Familien hinter Aldi sind so groß und so professionell verwaltet, dass sie kaum noch fallen können – Family Offices, Diversifikation, beste Berater. Was sich ändert, ist die Mitte der Liste. Dort findet der Austausch statt: Mittelständler ohne Nachfolger verkaufen, Tech-Vermögen rücken nach.
Sie sprechen von Family Offices. Wie legen die wirklich Reichen ihr Geld an?
Langweiliger, als die meisten denken – und genau das ist die Lektion. Der Kern ist fast immer gleich: globale Aktien, Beteiligungen, Immobilien, dazu ein wachsender Private-Equity-Anteil. Was Sie dort nicht finden: Hebelprodukte, Timing-Strategien, heiße Tipps. Die Reichen werden reicher, weil sie Fehler vermeiden, nicht weil sie Genies sind. Das kann jeder Privatanleger kopieren – mit einem Weltportfolio und Geduld.
Zum Schluss: Was ist die größte Fehleinschätzung über Reichtum in Deutschland?
Dass er statisch sei. Die öffentliche Debatte tut so, als sei die Reichenliste ein geschlossener Club. Tatsächlich ist die Fluktuation enorm: Von den 500 Namen des Jahres 2000 steht heute weniger als die Hälfte noch auf der Liste. Vermögen entsteht und vergeht schneller, als beide Seiten der politischen Debatte wahrhaben wollen. Wer das versteht, versteht auch, wo die Chancen liegen.

