Gold auf Rekordhoch: Einstieg oder Falle?
Notenbanken kaufen, Anleger zögern: Der Goldpreis eilt von Rekord zu Rekord. Was den Preis treibt – und welche Rolle Gold im Depot spielen sollte.

Gold kostet so viel wie nie – und die üblichen Erklärungen greifen diesmal zu kurz. Weder Inflationsangst noch Krisenpanik treiben den Preis primär, sondern ein struktureller Käufer, der sich um Charts und Stimmungen nicht schert: die Notenbanken der Schwellenländer.
Der neue Großkäufer
Seit dem Einfrieren russischer Währungsreserven kaufen Zentralbanken von Peking bis Ankara Gold in historischem Umfang. Das Motiv ist strategisch: Reserven, die niemand einfrieren kann. Dieser Nachfragesockel ist preisunempfindlich – die Käufer fragen nicht, ob Gold teuer ist, sondern ob es lieferbar ist. Genau das unterscheidet diese Rally von früheren, stimmungsgetriebenen Anstiegen.
Was Gold kann – und was nicht
Die nüchterne Wahrheit zuerst: Gold erwirtschaftet nichts. Keine Dividende, keine Zinsen, kein Gewinnwachstum. Über sehr lange Zeiträume schlägt es knapp die Inflation, mehr nicht. Seine Stärke liegt woanders: Gold korreliert kaum mit Aktien und entfaltet seinen Wert genau dann, wenn alles andere fällt. In jedem großen Aktien-Crash der vergangenen 50 Jahre gehörte Gold zu den wenigen Positionen im Plus.
Die richtige Dosis
- 5 bis 10 Prozent des Portfolios: Genug, um in Krisen zu stabilisieren – zu wenig, um die Langfristrendite ernsthaft zu bremsen.
- Physisch besichertes Produkt: Xetra-Gold oder Euwax Gold II gelten steuerlich wie physisches Gold – nach einem Jahr Haltedauer sind Gewinne steuerfrei.
- Kein Timing: Wer Gold als Versicherung versteht, kauft es nicht auf Verdacht, sondern hält es permanent – auch wenn es jahrelang seitwärts läuft.
Einstieg auf dem Hoch?
Die unbequeme Antwort: Für eine Versicherung ist der Einstiegszeitpunkt zweitrangig. Wer heute mit dem Vermögensaufbau beginnt und Gold als festen Baustein einplant, kauft eben zum heutigen Preis – und mittelt über Sparraten ein. Wer dagegen auf schnelle Kursgewinne spekuliert, sollte sich ehrlich machen: Nach einem historischen Anstieg ist die Fallhöhe hoch, und Gold kann Jahrzehnte brauchen, um ein Hoch zurückzuerobern. Zwischen 1980 und 2006 hätte ein Gold-Spekulant real die Hälfte verloren.
Gold gehört ins Depot – aber als Anker, nicht als Motor. Den Motor liefern produktive Anlagen, allen voran ein global gestreutes Aktienportfolio.

