Lidl, Aldi, Otto, dm, Rossmann: Die Handelsmilliardäre Deutschlands
Über 110 Milliarden Euro in einer Branche. Warum der deutsche Alltagskonsum mehr Superreiche erzeugt hat als der Dax.

Einzelhandel ist in der Liste der 500 reichsten Deutschen die eigentliche Vermögensmaschine. Allein die erste Industriespalte „Einzelhandel“ kommt auf 113 Milliarden Euro in elf Einträgen. Dazu Versand (Otto), Drogerien (dm, Rossmann, Müller), Schuhe (Deichmann), Baumärkte (Bauhaus, Hornbach), Tchibo/Herz, Globus, Kik/Obi/Tengelmann.
Kein Bankenplatz, kein Autocluster, kein Softwarestandort erreicht diese Breite. Der Wocheneinkauf hat Deutschlands Superreiche gemacht.
Die Spitze: drei Blöcke
Dieter Schwarz / Lidl, Kaufland: 46,5 Mrd. €, plus 2,8. Aldi Süd: 27,7, plus 0,7. Aldi Nord: 17,6, minus 1,3.
Zusammen 91,8 Milliarden Euro. Das ist ein Staat im Staat. International vergleichbar sind Walmart-Erben, nicht deutsche Industriepatriarchen.
Otto: Versand, Malls, Medien
Familie Otto, Familienstiftung, Platz 17, 12,5 Milliarden, minus 0,3. Otto-Versand, ECE (Shoppingcenter), About You, dazu Entertainment-Beteiligungen. Hamburg ist das Gegenmodell zu Neckarsulm: mehr Öffentlichkeit, mehr Plattform, mehr Immobilienentwicklung.
Das leichte Minus 2025 ist kein Absturz. Es ist ein Mix aus Handelsmarge, Center-Bewertungen und Digitalinvestments. Otto bleibt der Beweis, dass Versandhandel nach Amazon in Deutschland noch ein Familienvermögen tragen kann – wenn Fläche (ECE) und Plattform kombiniert werden.
Drogerie: dm und Rossmann
Familien Werner und Lehmann (dm): 7,8 Milliarden, plus 1,5, Unternehmensstiftung. Familie Dirk Roßmann: 4,9, plus 0,3. Erwin Müller: 1,7. Drogerie ist in Deutschland ein Duopol mit einem dritten Regionalen – und drei Listenplätzen.
dm legt 2025 kräftig zu. Die Stiftung, die Kultur und die Fläche haben aus Karlsruhe einen der größten Vermögenszuwächse außerhalb von Rüstung und Siemens gemacht. Rossmann bleibt der nüchternere Compounder. Beide widerlegen, dass nur Discounter Food-Vermögen erzeugen.
Der lange Schwanz
Deichmann 4,9. Haub (Tengelmann, Kik, Obi) 4,8. Herz-Stämme (Tchibo, Beiersdorf über Maxingvest) je 4,0 plus die Mayfair- und Bilton-Linien. Globus 2,6. Tedi/Woolworth (Heinig) 3,0. Fressnapf 2,2. New Yorker 2,6. C&A/Brenninkmeijer 14,2 – Mode, aber Handelswurzel.
Jeder dieser Namen ist ein Frequenzgeschäft. Die Immobilien darunter sind oft wertvoller als die Marke im Schaufenster. Wer nur EBIT-Multiples auf den Handel legt, unterschätzt den Grundbesitz.
Warum der Dax das nicht abbildet
Lidl ist nicht gelistet. Aldi nicht. dm nicht. Rossmann nicht. Otto nicht. Die größte Vermögensbranche Deutschlands ist privat. Deshalb ist die Reichenliste kein Anhängsel des Kapitalmarkts, sondern die Korrektur: Hier steht, wem die Läden gehören.
Vertiefungen: Schwarz, Aldi, Stiftungen. Die Tabelle: 500 reichsten Deutschen.


