Familie Reimann und JAB: Vom Chemie-Erbe zum globalen Konsumgiganten
24,0 Milliarden Euro, minus 7,3 Milliarden – der zweitgrößte Verlust der Liste. Keurig, Coty, Kaffee, Kosmetik, Haustiere: Warum die JAB-Wette 2025 wehgetan hat.

Die Familie Reimann ist das merkwürdigste große Vermögen Deutschlands: öffentlich scheu, operativ global, bilanziell eine Holding in Luxemburg. 2025 steht sie auf Platz 5 der 500 reichsten Deutschen mit 24,0 Milliarden Euro – nach 31,3 Milliarden im Vorjahr. Minus 7,3 Milliarden. Nur Merck verliert mehr.
JAB Holding ist die Maschine dahinter. Keurig Dr Pepper, Coty, ein Geflecht aus Kaffee-, Cosmetics- und Petcare-Marken. Die Familie hat Chemievergangenheit (Joh. A. Benckiser) in einen der aggressivsten Konsum-Buy-and-Build-Apparate Europas verwandelt. 2025 rächt sich, dass dieser Apparat an Börsenkursen und Deal-Multiples hängt.
Von Benckiser nach Luxemburg
Die Reimanns verkauften und fusionierten, bis aus einem Ludwigshafener Chemieunternehmen eine Beteiligungsgruppe wurde. Reckitt Benckiser war die Zwischenstation, JAB das Endspiel: nicht mehr produzieren, sondern Marken rollieren, hebeln, zusammenlegen.
Das ist ein anderes Risikoprofil als Lidl oder BMW. Schwarz verdient an Fläche. Quandt verdient an Autos. Reimann verdient an der Differenz zwischen Einkaufsmultiple und Exitmultiple, plus dem Cashflow der Marken dazwischen. Wenn Kaffee in den USA stockt, Coty schwächelt oder der Zins die Holdingkosten frisst, bewegt sich Platz 5 um Milliarden.
Warum 2025 so teuer war
Drei Hebel gleichzeitig: Bewertungen börsennaher Konsumwerte, der Dollar, und die Kreditkosten eines Deal-Fahrplans, der in der Nullzinsphase gebaut wurde. JAB hat über Jahre Kaffee (Keurig, Peet’s, Pret, Panera in früheren Phasen), Kosmetik und Haustierbedarf aufgehäuft. Nicht jede Plattform hat geliefert.
Minus 7,3 Milliarden Euro ist kein „Konkurs“. Es ist eine Neubewertung. Die Familie bleibt in der absoluten Spitze. Aber der Abstand zu Schwarz und Aldi wird größer, der Abstand nach hinten (Kühne, Henkel) kleiner. In der Gewinner-und-Verlierer-Rechnung ist Reimann der Schulfall für Holding-Vermögen: schnell reich, schnell ärmer, ohne dass die Nachnamen im Supermarktregal verschwinden.
Konsum ohne Gesicht
Im Gegensatz zu Henkel oder Oetker klebt an JAB-Marken kein deutscher Patriarch im Werbespot. Coty, Dr Pepper, ein Kaffeepad-System – das ist US-Masse. Genau deshalb ist das Vermögen so groß geworden. Genau deshalb ist es 2025 so zinssensitiv.
Für die Methodik der Liste ist Reimann ein Grenzfall des „deutschen“ Vermögens: Familie aus Deutschland, Holding in Luxemburg, Cashflows in Nordamerika. Wir zählen sie, weil das wirtschaftliche Eigentum deutschen Familien zuzuordnen ist, nicht weil die Wertschöpfung im Inland liegt. Erklärung: Methodik.
Was bleibt vom Modell
Buy-and-build auf Konsummarken funktioniert, wenn der Zins mitspielt und die Synergien nicht nur auf der Folie stehen. 2025 tut er das nicht. Die Reimanns haben Zeit – Stiftungen und Holdingstrukturen erlauben lange Atemzüge. Anleger ohne diesen Atemzug sollten JAB nicht als Blaupause lesen.
In der Rangliste 2025 ist Platz 5 trotzdem eine Warnung an die Spitze: Wer Vermögen in gelisteten Konsumplattformen und gehebelten Deals parkt, schreibt die Liste jedes Jahr neu. Wer Läden besitzt, schreibt sie langsamer. Deshalb bleibt Dieter Schwarz vorn, während Reimann Milliarden abgibt.

