Merck und Henkel: Warum die alten Dynastien 2025 Milliarden verloren
Merck −9,3 Milliarden, Henkel −5,1. Zwei Dax-Familien, zwei Großfamilien, ein Börsenjahr – und der schärfste Einschnitt in der Spitze der Reichenliste.

Platz 4 und Platz 7 der 500 reichsten Deutschen sind 2025 die Mahnung der Liste. Familie Merck, Großfamilie, Darmstadt: 24,5 Milliarden Euro, minus 9,3. Familie Henkel, Großfamilie, Düsseldorf: 19,5 Milliarden, minus 5,1.
Zusammen 14,4 Milliarden Euro weniger. Das ist mehr als das gesamte Vermögen von Würth. Kein Skandal, kein Forced Sale – ein Kursjahr auf altem Industrieeigentum.
Merck: wenn der Konzern die Familie hebeln
Merck KGaA ist Pharma plus Life Science plus Electronics. Die Familie hält über die Kommanditstruktur Einfluss, der Streubesitz liefert die Bewertung. 2025 hat der Markt Life-Science-Zyklen, Nach-Pandemie-Normalisierung und Electronics-Dellen eingepreist. Die Familie sitzt in diesem Hebel fest: Sie kann nicht „ein bisschen weniger Merck“ sein, ohne Kontrolle aufzugeben.
Minus 9,3 Milliarden ist der größte Einzelverlust der 500. Vorjahr 33,8 – das wäre fast Platz 2 gewesen. 2025 ist Merck hinter Aldi Süd und vor Reimann. Die Rangfolge der Spitze hat sich verschoben, ohne dass Lidl oder BMW operational Merck „überholt“ hätten. Der Kurs hat es getan.
Großfamilie heißt: Hunderte von Gesellschaftern, ein Block. Interner Verkaufsdruck einzelner Stämme ändert die Liste kaum; der Konzernabschluss tut es.
Henkel: Konsum, Klebstoff, Kapitalmarkt
Henkel ist das andere Dax-Gesicht: Adhesive Technologies plus Consumer Brands. 19,5 Milliarden, minus 5,1. Margendruck im Konsum, Bewertungsabschlag auf europäische Staples, ein Name, der in jeder Küche steht und an der Börse 2025 nicht als Quality-Compounder gefeiert wurde.
Im Gegensatz zu Reimann/JAB ist Henkel kein Deal-Vehikel. Es ist eine 1876er Firma mit Streubesitz und Familienkern. Genau deshalb ist das Minus lesbar: weniger Private-Equity-Zauber, mehr Multiple auf sichtbare Zahlen.
Warum alte Dynastien volatiler sind als Discounter
Schwarz und Aldi sind privat. Ihre Bewertung bewegt sich mit Research-Multiples, nicht mit einem Tick. Merck und Henkel ticken. In Boomjahren katapultiert das Großfamilien nach oben (und macht Reichenlisten zu Dax-Spiegeln). In Korrekturjahren sieht es aus, als zerfalle das alte Geld.
Es zerfällt nicht. Es wird neu gepreist. Die Dividenden fließen, die Kommanditanteile bleiben, die Nachnamen bleiben auf dem Briefbogen. 2026 kann ein Teil des Verlusts zurückkommen, ohne dass irgendein Merck „wieder reich“ werden müsste.
Der Kontext der Spitze
Vier der Top 7 geben 2025 ab: Merck, Reimann, Kühne, Henkel. Drei legen zu oder halten: Schwarz, Klatten/Quandt, Aldi Süd. Das ist die Polarisierung des Jahres – Gewinner und Verlierer.
Alte Dynastien sind nicht tot. Sie sind börsennotiert. Wer Stabilität will, liest private Händler und Hidden Champions. Wer Liquidität will, liest Merck und Henkel. Die Liste braucht beides.
Quelle und Tabelle: Die 500 reichsten Deutschen 2025. Methodische Einordnung: So schätzen wir.

